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Fraktion vor Ort in Bad Muskau: „Für eine gute und menschenwürdige Pflege“

Zur Diskussion über die neuen Pflege-Gesetze habe ich meine Fraktionskollegin Mechthild Rawert aus Berlin eingeladen. Im Rahmen unserer Reihe „Fraktion vor Ort“ kommen wir mit vielen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. Der heutige Abend beweist, dass neben richtigen Entscheidungen zur Verbesserung der Pflege noch Vieles im Argen liegt.bm

SZ WSW, Donnerstag, 02.04.2015

Das Thema Pflege sorgt für reichlich Diskussionen

Bei der Info-Veranstaltung der SPD in Bad Muskau gab es einige Kritik an den Zuständen in der Pflege.

Von Alexander Buchmann

Bad Muskau. In der Reihe „Fraktion vor Ort“ der SPD-Bundestagsfraktion ist am Dienstagabend in Bad Muskau über das Thema Pflege diskutiert worden. Aufgrund des demografischen Wandels, also der immer älter werdenden Gesellschaft, sei das in der Region ein wichtiges Thema, sagte der Bad Muskauer Stadtrat Marco Gaebel zu Beginn der Veranstaltung. Mit einem Altersdurchschnitt von 46,4 Jahren sei der Freistaat Sachsen das Bundesland mit dem höchsten Altersdurchschnitt, ergänzte der Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk, der im Anschluss einige aktuelle Zahlen vorstellte. Demnach gibt es im Landkreis rund 13 000 pflegebedürftige Menschen, weshalb es wichtig sei, dass sich die Politik dem Thema stelle.

„Wir wollen hören wo bei Ihnen der Schuh drückt“, sagte Jurk zu den Anwesenden im gut gefüllten Konferenzraum im Kulturhotel Fürst Pückler Park. Nachdem Mechthild Rawert, SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses, über die aktuelle Gesetzeslage und die weiteren geplanten Reformen in der Pflege informiert hatte, begann nach etwa 45 Minuten die Diskussion. Dabei ist den beiden Bundestagsabgeordneten sowie dem im Publikum sitzenden Landtagsabgeordnete Thomas Baum von einer Vielzahl an Problemen aus dem Arbeitsalltag von Pflegepersonal und Ärzten berichtet worden. Obwohl die bereits durchgeführten Reformen begrüßt wurden, sind vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen kritisiert worden. „Die Rahmenbedingungen sind der Punkt, der uns das Genick bricht“, hieß es von einer Pflegedienstleiterin aus Zittau. Diese kritisierte den Fachärztemangel und die fehlenden Beratungsmöglichkeiten. Außerdem würden vielfach auf Privatrezept ausgestellte Medikamente im Ausland gekauft. Die Berechnung der Arbeitszeit und der durchschnittlichen Fehltage der Mitarbeiter seien weitere Probleme. Von einer anderen Teilnehmerin ist kritisiert worden, dass man es nicht schaffe, Krankheitsausfälle zu ersetzen. Die Mehrbelastung für die übrigen Mitarbeiter sei der Grund, warum viele die Branche nach einigen Jahren wieder verlassen würden. Dazu käme der Fachkräftemangel. „Wenn ich nicht mit Leidenschaft dabei wäre, hätte ich längst das Handtuch geschmissen“, so eine der Aussagen.

Die Regelung, dass die Pflegedienstleiter keine Medikamente ausgeben dürfen und für jeden Behandlungsschritt die Zustimmung eines Arztes benötigt werde, sorge außerdem sowohl beim Pflegepersonal als auch bei den Hausärzten für Unverständnis und Ärger. Denn damit sei ein enormer Verwaltungs- und Zeitaufwand verbunden. Der Weißwasseraner Hausarzt Dr. Karl-Heinz Dreier lobte zwar das deutsche Gesundheitssystem als solches, kritisierte aber ebenfalls den Verwaltungsaufwand und dass alle Ärzte, die er kenne, über den Durchschnitt Patienten zu betreuen hätten. Den anwesenden Politikern wurden somit zahlreiche zu lösende Probleme mit auf den Weg gegeben. Allen voran der Abbau des Verwaltungsaufwands und die Steigerung der Attraktivität der Pflegeberufe, um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

gruppe

v.l.n.r. Thomas Baum, MdL; Marco Gaebel, Stadtrat und Bürgermeisterkandidat in Bad Muskau; Mechthild Rawert, MdB; Thomas Jurk, MdB; Alexander Porges